italianoenglishfrançaisdeutschespañolportuguês
Sprache
Diese Website

Wein 2008 – Prognosen

Die Zukunft vorhersagen ist so eine Sache und die meisten Menschen sind darin auch nicht wirklich gut. Ansonsten müsste jemand mit wirklichem Talent nie wieder arbeiten. Dennoch ist es spannend, ein wenig nach vorne zu schauen und zu überlegen, was die nächsten 12 Monate so bringen könnten. So, was hält das Jahr 2008 für die Weinwelt bereit? Manche der Vorhersagen sind auf den britischen Markt bezogen, andere haben einen internationaleren Blickwinkel. Ich bin sicher, dass sich ein Grossteil der Vorhersagen nicht bewahrheiten wird, aber ich werde meinen Kopf riskieren... (1) Der Wettbewerb im Weinmarkt wird sich erhòhen: das ist eine unschòne Neuigkeit fùr die Produzenten von Wein fùr den Massenmarkt und fùr Markenbesitzer. Ein Grossteil der Konsumenten denkt an Wein als eine Konsumware und weiss, wieviel dafùr auszugeben ist, d.h. gewòhnlich nicht mehr als eine Flasche trinkbarer Wein kosten kann. Wie mir von einer jùngst erfolgten Degustation an der der ich teilgenommen habe bestàtigt wurde, ist es in Grossbritannien mòglich, einen trinkbaren Wein fùr 3£ pro Flasche zu kaufen. Dies ist verwunderlich, wenn man bedenkt, dass die Preise in der niedrigsten Preisklasse in den letzten 10 Jahren unveràndert geblieben sind. Die Hoffnung auf gute Geschàfte jenseit der 4£ pro Flasche scheint reines Wunschdenken zu sein, besonders wenn man folgenden Punkt (2) bedent. (2) Die Finanzseiten der Zeitungen sind in letzter Zeit sehr deprimierend, mit all den Diskussionen um weltweite Rezession und Kreditkrise. Viele Leute mùssen in den nàchsten Jahren den Gùrtel enger schnallen. Dies ist keine erfreuliche Meldung fùr Produzenten und Verkàufer, denn wenn die Konsumenten die Wahl haben zwischen der Option, ihren Kindern etwas zu Essen oder einen Pràmium-Wein zu kaufen, haben die Kinder (meist) den Vorrang. Aber ich denke nicht, dass dies die Preise in den hòchsten Preisklassen verringern wird: die teuersten Weine werden immer unerreichbarer, sobald die geringen produzierten Mengen zum Jagdgebiet fùr die wachsende Zahl von Multimillionàren werden. Die starke Nachfrage zusammen mit dem geringen Angebot wird die Preise hochhalten. Die Aussicht auf verlangsamtes wirtschaftliches Wachstum und Rezession verringert die Kaufkraft von vielen, wird abe die wachsende Gruppe der Superreichen nicht weiter tangieren und ihnen sicherlich nicht verhindern, Weine hoher Qualitat zu kaufen. (3) Wir kònnen einen zunehmenden Neoprotektionismus beobachten. Gegen Ende letzten Jahres konnten wir in den Zeitungen viel ùber die Gefahr des Weinkonsums in der Mittelschicht lesen. Anstatt sich mit Appellen an die Gesundheit den wirklichen Trinker zu widmen, wendet sich die britische Regierung jetzt Fachleuten zu, die zum Abendessen eine Flasche Wein trinken, und beteuern die negativen Auswirkungen eines derartigen Konsums auf die Gesundheit. Da muss man jetzt nur abwarten: derartige Diskussionen werden mit Sicherheit eine grùndliche Bearbeitung der Besteuerung nach sich ziehen, da es so scheint, als ob eine Verteuerung der alkoholischen Getrànke der einzige Weg sei, die Leute vom Trinken abzuhalten. Aber ich frage mich zwei Sachen: (1) Ist die Regierung sich sicher, dass eine Flasche Wein am Abend gesunheitliche Schàden nach sich zieht? Und (2) wenn sich die Leuten in einem Land zu Tode trinken, was genau ist dann die Ursache? Mùsste man nicht viel hàrter an den Ursachen des Alkoholismus etwas tun, anstatt nur das Verhalten anzugreifen. Meine Sorge ist, dass diese ganze Anti-Alkohl-Kampagne den Grossteil der Leute davon abbringt, geringe Mengen Alkohol zu trinken, was doch eher gesundheitsfòrderliche Wirkungen, Spass und Genuss bereitet und positiv fur das Leben ist. (4) Alternative Verpackungsarten werden vom Konsumenten immer mehr akzeptiert und geschàtzt. Die Bag-in-box sieht man schon lànger im Verkauf und es gibt Konsumenten, die diese sogar vorziehen. Man kann eine Zunahme von Tetrapakvarianten und Polylaminatverpackungen (d.h. Bag-in-box ohne Karton) beobachten, ausserdem eine Verbreitung von Plastikflaschen. Ein Grund fùr diese Verànderungen beim Packaging ist die Auswirkung auf die Umwelt durch die CO2-Emissionen. (5) Weine mit einem hohen Alkoholgehalt werden dieses Jahr einen leichten Rùckschlag erleben. Die Produzenten – ein wenig in dafùr in die Verantwortung zu ziehen – werden sich allmàhlich klar darùber, dass die ùberreifen, stark alkoholischen und international angeglichenen Rotweine langweilig sind und ihre Produktion sinnlos. Daher versuchen sie zunehmend, Weine zu produzieren, die das Terroir besser widerspiegeln, indem sie ihre Techniken im Weinberg anpassen und etwas eher ernten. (6) Weinhàndler werden schliesslich verstehen, dass es relativ dumm ist, Qualitàtswein an intelligente Klienten auf der Basis einer „RP96“-Bewertung zu verkaufen. (7) Verschlùsse: Naturkork wird weiterhin an Bedeutung verlieren und alternative Verschlùsse werden zunehmend verwendet. Naturkork wird der wichtigste Verschluss fùr Weine hoher Qualitàt bleiben, aber fùr Weine im Bereich des Massenkonsums werden verschiedenste Verschlusstypen vermehrt zum Einsatz kommen, von Schraubverschlussen, Diam, synthetischen Korken bis hin zu Vino-Lok. (8) Nun, was gibt es ùber die verschiedenen weinproduzierenden Lànder zu sagen? Ich schàtze, dass es ein gutes Jahr fùr Neuseeland wird, in Anbetracht der Tatsache, dass die Leute zu bemerken scheinen, dass es dort unten nicht nur Kiwi und Sauvignon gibt, sondern auch beispielsweise sehr interessante Rotweine. In den unteren Preisklassen dùrfte es den USA gelingen, etwas vom australianischen Marktanteil zu gewinnen (Probleme mit Trockenheit bedeutet, weniger Wein zum Verkauf zu haben). Chile gelingt es noch gut, seine Weine geringeren Preises im Mark zu platzieren, aber auch hier wird man weiter im Bereich hochqualitativer Weine kàmpfen. Die chilenischen Weisweine werden zunehmendes Glùck haben. Argentinien wird bei den Rotweinen Marktanteile gewinnen, bei den Weissweinen bleibt das Land etwas zurùck. Frankreich und Spanien hingegen werden zeigen, dass auch sie Weine fùr einen breiteren Markt produzieren kònnen, mit annehmbarer Qualitàt und in ausreichenden Mengen und werden somit zu Konkurrenten fùr die neue Welt im Preissegment 5-10£. Portogall wird weiter von sich hòren machen im Segment der Qualitàtsweine, bleibt aber in den anderen Segmenten eher unbekannt. Jamie Goode ist ein bekannter Journalist in der Weinwelt und lebt in London. Momentan ist er Leitartikelschreiber der englischen nationalen Tageszeitung Sunday Express. 2007 gewann er den Glenfiddich-Journalistenpreis fùr seine Artikel in ‚Harpers’ und ‚The World of Wine’. Er schreibt weiterhin fùr ‚Wine Business International’, ‚Wines and Vines’, ‚Hong Kong Tatler’ und ‚Decanter’. Sein erstes Buch ‚Wine Science’ gewann den ‚Glenfiddich-Award for Drinks Book’ im Jahr 2006.
Veröffentlicht am 25/02/2008
Ähnliche Inhalte
  • Ecovino-Preise 2019
    internationalen Preisausschreibens für ökologische Weine – 10. Ausgabe
    Die Veranstaltung der Weinverkostung und des internationalen Preisausschreibens PREMIOS ECOVINO setzt sich folgende Absichten zum Ziel: ? Die Förderung der Produktion ökologischer Weine. Ebenso die...
    Veröffentlicht am:28/01/2019
  • Enartis präsentiert Zenith®: Die Revolution in der Weinstabilisierung
    Der multinationale Konzern aus Italien setzt mit einem neuen Produkt, welches die Kaltstabilisierung beendet, einen Meilenstein für ökologische Nachhaltigkeit.
    Veröffentlicht am:27/11/2017
  • Leitfaden zur Erstellung von Videos und für die eigenständige Veröffentlichung von Videos, Bildern und Dokumenten auch von Smartphones und Tablets, auf der Infowine Seite.
    Veröffentlicht am:09/09/2016
  • Funktionale Biodiversität im Weinbau
    Das neue gemeinsame OIV-Gutachten zum Thema funktionale Biodiversität im Weinbau bietet einen Überblick über die funktionale Biodiversität im Weinbausektor und soll deren wesentliche Aspekte aufzei...
    Veröffentlicht am:06/01/2019
  • In der EU ist ab jetzt die önologische Verwendung von Kaliumpolyaspartat endgültig genehmigt
    Mit Datum vom 28. Oktober 2017 wurde die Verordnung (EG) Nr. 1961/2017 veröffentlicht, mit der die Europäische Kommission die vorausgehende Verordnung (EG) Nr. 606/2009 berichtigt und somit die Ver...
    Veröffentlicht am:01/11/2017
  • Eine kostenlose App namens PMapp zur Einschätzung und Bewertung von echtem Mehltau – eine Pilzerkrankung, die sich auf eine Reihe von Pflanzen auswirkt – soll vor allem in empfindlichen Regionen mi...
    Veröffentlicht am:28/11/2016
© Alle Rechte vorbehalten
ISSN 1826-1590 VAT: IT01286830334
powered by Infonet Srl Piacenza
Datenschutz-Bestimmungen
Diese Internetseite verwendet Cookies für Zwecke, die in der Cookie Richtlinie beschrieben sind. Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, klicken Sie diese bitte an. Durch schließen dieses Banner, durch Scrollen auf dieser Seite, durch Klicken auf einen Link oder durch fortgesetzte Navigation in jeder anderen Weise, müssen Sie der Verwendung von Cookies zustimmen.
Mehr InformationOK

- A +
ExecTime : 3,625